06. Juli 2019

2019 07 06

Eine Wand erzählt Erdgeschichte

Das war 1931 in Nickenich eine echte Sensation, als dort ein großes gallorömisches Grabmonument entdeckt und ausgegraben wurde. Dieser etwa 50 n.C. entstandene Tumulus steht heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn, aber auch die sorgfältige Rekonstruktion in Nickenich gibt einen guten Eindruck vom hochentwickelten Grabkult einer reichen römischen Familie.

Am Weiterweg bestaunten die Remagener Wanderer gleich danach auffallende, uralte Bäume mit unglaublich dicken, tief eingefurchten Rinden. Im Wald war der Schatten an diesem heißen Tag hochwillkommen. Schmetterlinge zeigten sich, darunter immer wieder der schöne Kaisermantel. Ein Blick wurde von oben in den gewaltigen Basaltsteinbruch Eppelsberg geworfen. Am idyllischen Krufter Waldsee wurde selbstverständlich eine lange Pause eingelegt. Das glasklare, saubere Wasser verlockte einige Wanderer tatsächlich zum dort erlaubten Baden  und, wie sie versicherten, es sei auch gar nicht kalt gewesen. Kaum zu glauben, dass dieses bildhübsche, wertvolle Biotop erst 1985 nach Aufgabe des dortigen Bimsabbaues entstanden ist. Nach nur wenig auf und ab zeigte sich schon bald der tiefblaue Laacher See. Vor ihm aber lagen weite, blutrote Flächen. Auf unbestellt gebliebenen Feldern blüht dort zur Zeit millionenfach der Klatschmohn und bietet ein seltenes, farbenprächtiges Bild.

Höhepunkt der ganzen Wanderung aber war zweifellos die bis zu 60 m hohe, senkrechte Wingertsbergwand aus Bims-, Schlacken- und Ascheschichten. Sie bietet dem Betrachter eine phantastische  Momentaufnahme vom Ablauf der Vulkankatastrophe am Laacher See vor 12 900 Jahren und ist daher unter Vulkanologen weltberühmt. Tagelang regnete es damals ausgeworfenes Material des Vulkans, Glut- und Aschewolken rasten mit Überschallgeschwindigkeit talabwärts, bis zu 4 m Durchmesser mächtige Bomben schlugen aus großer Höhe ein - all das verraten Substanz und Verformung der Schichten in der beim Bimsabbau stehen gebliebenen Wingertsbergwand. Sie ist ein von Menschenhand freigelegtes Naturdenkmal, leider aber vergänglich. Die Wand bröckelt, große Teile sind schon abgestürzt und in wenigen Jahrzehnten wird von der Wand nur noch ein mit Gestrüpp bewachsener Steilhang übrig sein. Umso mehr lohnt sich ein Besuch der Wand jetzt, wo sie sich noch in ihrer ganzen Einzigartigkeit dem Betrachter zeigt.

Nach so viel Vulkanismus war für die Wanderer zum Abschluss eine Einkehr in der Vulkanbrauerei Mendig  natürlich eine Selbstverständlichkeit.

Foto: Vor der Wingertsbergwand bei Mendig