19. Mai 2019

2019 05 19

Keiner kannte den Speierling

Es ist immer wieder erstaunlich, welch hübsche und abwechslungsreiche Wanderwege sich in unserer unmittelbaren Umgebung finden lassen. Vom Sinziger Schloss wählten die Remagener Eifelfreunde zunächst den Weg entlang an der plätschernden Ahr zum Schwanenteich, dann ging es auf verschlungenen, weitgehend unbekannten Waldpfaden oben auf dem Mühlenberg bis zum Abstieg in das idyllische Rosendorf Löhndorf. Vor der Kirche begegneten die Wanderer dort durch Zufall Friedhelm Münch, einem im Ort, in Stadt und im Kreis bekannten Kommunalpolitiker. Spontan bot er freundlicherweise eine Führung durch diese 1833 erbaute Kirche an. Bei ihrer Errichtung sollte der uralte Turm der Vorgängerkirche erhalten bleiben, doch senkte er sich während der Ausschachtungsarbeiten bedrohlich und musste abgerissen werden. Für einen Neubau fehlte das Geld und so hat die Löhndorfer Kirche bis heute zwar einen Dachreiter, aber keinen Turm.

Neben der Kirche steht ein seltener, auffallender Baum mit zart gefiederten Blättern. Keiner der Wanderer konnte dessen Namen erraten. Es ist ein inzwischen stattlicher Speierling. 1993 war diese Baumart Baum des Jahres. Der Speierling kann über 30 m hoch werden, gehört zu den Wildobstarten und seine kleinen Früchte sind essbar. In Deutschland ist der Baum in freier Natur heute extrem selten geworden.

Vorbei am Sinzigkopf führte der Weg an Feldern und Wiesen entlang, deren Ränder gesäumt waren mit einer wunderschönen Blumenvielfalt. Durch Westum hindurch blieb den Wanderern ein steiler Wiederaufstieg auf den Mühlenberg nicht erspart, doch lohnte sich der Weg umso mehr, als im Steilhang plötzlich blühende Orchideen (Knabenkraut, Orchis mascula) entdeckt wurden. Bei ihrer Einkehr in der Cäcilia-Hütte wurden die Remagener Wanderer von der Wirtin schon erwartet und freundlich begrüßt. Die restliche Strecke von dort zurück zum Ausgangspunkt ging dann bequem bergab. Das Wetter? Angedroht waren Regenschauer, doch es blieb sonnig und trocken. Das hat der Wanderer gern.

Foto: Am Speierling in Löhndorf