23. Februar 2019

2019 02 23

Der Vinxtbach hat keine Quelle

Ramersbach, seit 1974 ein Ortsteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, liegt gute 400 m höher als das Stadtzentrum. Östlich davon entspringt der Vinxtbach, zur Römerzeit die Grenze zwischen Ober- und Niedergermanien. Aber dessen Quelle suchten die Remagener Eifelfreunde vergebens. Es gibt sie nicht oder richtiger, es gibt sie nicht mehr. Denn die Wasserqualität dieses Baches war so vorzüglich, dass von dort heute die örtliche Wasserversorgung unterirdisch sichergestellt wird. Nur wenn nach dieser Entnahme noch etwas übrig bleibt, kommt es ein Stück weiter talabwärts aus einem Rohr, das so aber nie und nimmer den Rang einer romantischen Quelle beanspruchen kann. Der Vinxtbach hat sich im Laufe von Jahrmillionen ein bemerkenswert tief eingeschnittenes kleines Tal gegraben, wo kerzengerade hohe Buchen und Eichen dem Wald fast das Aussehen einer gotischen Kathedrale verleihen.

Über einen Höhenrücken wurde die Maisbüsch-Kapelle erreicht, die in Erfüllung eines im Krieg gegebenen Gelübdes 1948 - 1951 von Peter Hartung erbaut worden ist. Alles Baumaterial musste aus dem Tal herauf gebracht werden, nur das Wasser für die Mörtelzubereitung lieferte ein großer Bombentrichter im Wald. Diese Kapelle ist seitdem ein vielbesuchter Andachtsort. Wenige km weiter erhebt sich über einer sehenswerten Wacholderheide der Gipfel des Weiselsteins. Seinen Namen verdankt er womöglich einem umfangreichen Quarzitvorkommen, das in Form leuchtend weißer Brocken dort offen zu Tage tritt. Ein versuchter Abbau wurde schon bald wieder eingestellt, mag sein, dass die Qualität nicht ausreichte. So blieb der Berg erhalten, auf dem seit 1994 ein hölzerner Aussichtsturm eine weit über das Land reichende Aussicht ermöglicht.

Vorbei an Gut Schirmau führte der Weg zur komfortablen Schutzhütte Schauinsland. Ein Pestkreuz aus dem Jahr 1665 gleich danach stimmte nachdenklich, erinnert es doch an die schreckliche Zeit dieser Epidemie, deren Opfer aus Furcht vor Ansteckung nur weit außerhalb der Ortschaften begraben werden durften. Unten im Tal wartete schon Königsfeld, das Ziel der Wanderung. 1336 erhielt der Ort Stadtrechte, verlor sie aber im Lauf der Zeit wieder. Die Einwohnerzahl fiel von 388 im Jahr 1815 auf 361 im Jahr 1970. Aber heute sind es dank neuer Baugebiete doppelt so viele Einwohner und wenn dies Wachstum anhält, wird Königsfeld gegen 2100 vielleicht wieder Stadt?  Schöne alte Häuser künden noch von vergangener Stadtherrlichkeit und die Kirche St. Nikolaus ist ein kulturhistorisches Kleinod, dessen älteste Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen. Dort befindet sich im Vorraum ein sorgfältig erstelltes Modell des historischen Ortsbildes mit der leider nicht mehr existierenden Wasserburg. Zum Trost dafür gibt es an deren Stelle heute ein Café zur Stärkung und zum Aufwärmen.

Foto: Der Eifelverein Remagen vor der Maisbüsch-Kapelle