10. November 2018

2018 11 10

Auf dem "Nitzblick"

Wer aufmerksam durch die Eifel wandert, begegnet allerorten Wege- und Gedenkkreuzen vergangener Zeit aus Basalt oder Tuff, von denen die ältesten aus dem 8. Jahrhundert stammen. Mal sind sie ganz schlicht und nur grob behauen, mal sind es wahre Kunstwerke. Kaum jemand ahnt, wie viele es von diesen steinernen Zeugen vergangener Jahrhunderte trotz aller Verluste noch immer gibt. Allein im Umkreis von 30 km um Mayen sind 4500 Wege- und 6000 solcher Grabkreuze bekannt! Besonders schöne Beispiele konnten die Eifelfreunde Remagen auf ihrer Wanderung rings um die Gemeinde Kirchwald kennenlernen. Staunend standen sie so auch vor einem Basaltkreuz aus dem Jahr 1664, an dem trotz Härte und Sprödigkeit des Steines geradezu unglaubliche Feinheiten vom Steinmetz herausgearbeitet worden waren, darunter kaum handtellergroße Engelchen mit entzückend lächelnden Gesichtszügen. Jedes dieser steinernen Kleindenkmäler offenbart die Frömmigkeit der Stifter, hat seine eigene Geschichte und bringt eine Botschaft zum Ausdruck. Zum Beispiel war ein Kreuz gemeinsam von zwei lange Zeit verfeindeten Bauern errichtet worden zum Zeichen ihrer Versöhnung.

Wiederholter leichter Nieselregen tat der Schönheit dieser Wanderung in der herbstlich gestimmten Eifel kaum Abbruch. Der Weg führte an einer Wildvögel-Pflegestation vorbei, wo verunglückte Greifvögel wieder aufgepäppelt werden. Der Höhepunkt der ganzen Wanderung aber war der Aussichtspunkt "Nitzblick". Da sahen die Wanderer hoch vom Felsen in das tiefe, im Herbstkleid strahlend bunte Nitzbachtal, eingebettet in bewaldete Höhenzüge, die bis zum Horizont reichten. Nebelfetzen strichen malerisch talaufwärts, während sich die höchsten Gipfel in einer geschlossenen Wolkendecke verbargen.

Foto: Auf dem "Nitzblick".