Samstag, 24. März 2018

2018 03 24kl

Wo die letzte Mühle klappert

Seit zweitausend Jahren gibt es Wassermühlen in der Eifel. Der römische Dichter Ausonius erwähnt sie zum Beispiel an der Kyll. Um 1950 existierten in Deutschland noch 19.000 Mühlen. Ganze 500 davon sind übrig geblieben und davon sind die allerwenigsten Wassermühlen. Doch im Kreis Ahrweiler gibt es noch eine letzte. Es ist die Mosenmühle neben der Schweppenburg im unteren Brohltal. Das war Anlass genug für den Eifelverein Remagen, dieses technische Denkmal anlässlich einer Wanderung zu besuchen. Vom Bahnhof Brohl auf dem von Nieswurz, Huflattich und ersten Veilchen gesäumten Kurfürstenweg nach Tönisstein und schon zeigte sich die Mosenmühle jenseits des Brohlbaches.
Müllermeister Rainer Mosen führte die Gäste bei vollem Betrieb durch alle Einrichtungen dieser höchst sehenswerten Mühle. Sie ist ein kulturhistorisches Kleinod. Ja, hier klappert die Mühle noch wirklich am rauschenden Bach, ein beeindruckend mächtiges Wasserrad dreht sich unter der Wucht herabstürzender Wassermassen, auf vier Stockwerken drehen sich ungezählte, mit Treibriemen verbundene Räder, Rohre über Rohre vermitteln den Eindruck eines Durcheinanders und doch ist alles funktionsgerecht aufeinander abgestimmt. Ein solcher Betrieb erfordert das ganze Können und die volle Aufmerksamkeit des Müllermeisters. Von wegen "Das Wandern ist des Müllers Lust!" Das konnte und kann sich in diesem Beruf niemand leisten. Das 1844 entstandene Lied spielt ja auch nur auf die von der Müllerzunft damals vorgeschriebene Wanderpflicht für jeden Müllergesellen an. Drei Jahre und einen Tag mussten sie in der Fremde von Mühle zu Mühle ziehen um selber Meister werden zu können. "Glück zu!" ist noch heute die traditionelle Grußformel der Müller.

Über Lützing erreichten die Remagener Eifelfreunde den schönen Aussichtspunkt Steinbergs-Kopf. Er hat eine bewegte Vergangenheit. Sein wertvoller Basalt wurde ihm zum Verhängnis, er wurde abgebaut bis an seiner Stelle nur noch ein tiefes Loch klaffte. An Heiligabend 1929 passierte es dann. Das ganze Bergwerk krachte unter donnerndem Getöse zusammen. Von 1973 bis 1998 wurde die Vertiefung als Kreismülldeponie genutzt, verfüllt und sogar noch ein Hügel darauf gesetzt, alles abgedichtet und rekultiviert. Dem benachbarten, noch größeren Herchenberg erging es auch nicht besser. Einst zählte er zu den Wahrzeichen des Brohltals. An seiner Stelle bestaunten die Remagener eine riesige tiefe Grube. Geologisch ist sie höchst interessant, gibt sie an ihren steilen Wänden doch Einblick in die Dynamik der Vulkanausbrüche und die spätere Verfüllung einzelner Spalten mit glutflüssiger Lava.

Über den Kutschenweg, Gönnersdorf und Oberbreisig wurde zur Heimfahrt der Bad Breisiger Bahnhof erreicht. 18 km lang mag diese an Eindrücken so reiche Wanderung gewesen sein, aber sie war wunderschön und alles bei herrlichem Frühlingswetter!

Foto: Mit Müllermeister Rainer Mosen am Denkmal vor seiner Mühle