20. Juli 2019

2019 07 20

Auf dem Schwalberstieg zur Röder-Kapelle

In Niederfell, diesem schmucken, kleinen, im Jahre 980 erstmals erwähnten Moselort, kaum 20 km oberhalb Koblenz, beginnt der Traumpfad "Schwalberstieg". Dort mündet der Aspeler Bach. Wie fast alle kleinen Moselzuflüsse weist auch er auf seinem letzten Teilstück ein starkes Gefälle auf, was allerorten in früheren Jahrhunderten zum Betrieb von Wassermühlen genutzt wurde. Auch in Niederfell klapperten zwei, von denen eine erst 1935 stillgelegt wurde. Schmetterlingsfreunde kamen auf ihre Kosten, denn u.a. Kaisermantel, Admiral und sogar ein so seltener, großer Segelfalter wiesen den Remagener Eifelfreunden den Weg an der Abzweigung ins Schwalberbachtal. Dieser Weg ist ungemein lauschig und wunderbar schattig, ideal zum Wandern an heißen Tagen. Mittags war weit und breit keine Schutzhütte in Sicht, doch auf großen Baumstämmen am Wegesrand ließ es sich auch gut rasten. Oben auf der Höhe bot sich ein phantastischer Blick über die gleißend hellen, erntereifen Kornfelder bis zu den Höhen der Vulkaneifel am Horizont. Wieder unten im Tal angekommen musste der Aspeler Bach auf glitschigen Trittsteinen überquert werden. Rührend fürsorglich mahnt dort ein Schild alle Wanderer, dass man bei Hochwasser diesen Übergang besser meiden solle.

Nachdenklich stimmte die an exponierter Stelle stehende Röder-Kapelle. Ein wohl an Altersdepression erkrankter Bürger aus Niederfell nahm sich hier 1912 verzweifelt das Leben und hatte testamentarisch seinen Nachlass für die Errichtung dieser Kapelle verfügt. Bei Kriegsende 1945 zerstört, fühlten sich die Niederfeller Mitbürger dem traurigen Vermächtnis so verpflichtet, dass sie die Kapelle 1952 im Originalstil wieder erbauten.

Hoch oben am Rand einer Felswand gewährte die Hitzlay den Remagener Wanderern eine der großartigsten Aussichten entlang der ganzen Mosel. Tief unten zwängte sich gerade ein Fahrgastschiff durch die enge Schleuse der Staustufe Lehmen. Gegenüber bot sich sich ein toller Blick auf Kobern-Gondorf, seine Burgen und die berühmte Matthias-Kirche. Bis dahin war es ein sonniger, heißer Tag. Aber nun zogen schwarze Gewitterwolken auf. Schweren Herzens wurde auf das letzte Teilstück zur Mönch-Felix-Hütte verzichtet und der direkte Weg hinunter nach Niederfell gewählt - gerade noch rechtzeitig. Denn kaum in der Einkehr angekommen, prasselte schon der Regen.

Foto: Vor der Röder-Kapelle